Geistliches Leben
Die Zisterzienser sind ein kontemplativer Orden. Sie führen
ein äußerlich zweckfreies Leben, um frei zu sein für ihre
Suche nach Gott. Kernmerkmale der Zisterzienserspiritualität
sind ein beständiges Leben in der Klausur (stabilitas loci),
die Verbindung von weltabgeschiedenem Leben und zugleich
Gemeinschaftsleben innerhalb des Klosters, die Pflege einer
einfachen und strengen Lebensweise, Hochschätzung der Handarbeit
sowie eine kontemplative Innerlichkeit, die sich sowohl
in gemeinschaftlichem Chorgebet und privatem meditativen
und betrachtenden Gebet niederschlägt. Einen besonderen
Stellenwert im Zisterzienserleben nimmt die Marienverehrung
ein. Die Zisterziensermönche tragen eine weiße oder graue
Tunika, darüber ein schwarzes Skapulier. Als Chorgewand
wird darüber eine weiße Kukulle getragen.
Aufnahme und Ausbildung
Habit eines Novizen Während des Postulats ist das Skapulier
weiß; mit der einfachen Profess erhält der Mönch das schwarze
Skapulier.
Habit eines Novizen
Während des Postulats ist das Skapulier weiß; mit der einfachen
Profess erhält der Mönch das schwarze Skapulier.
In ein
Zisterzienserkloster eintreten kann jeder Erwachsene, der
geistig und körperlich dazu geeignet und bereit ist, sich
ganz auf ein Leben mit Gott einzulassen und "wahrhaft Gott
zu suchen", wie es Benedikt von Nursia in seiner Regel verlangt.
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder
Abitur. Wer sich entschlossen hat, ein Leben im Kloster
führen zu wollen, besucht das Kloster zunächst als Gast.
Nach dieser ersten Kennenlernphase folgt die Kandidatur.
Diese dient zur Prüfung, ob der Kandidat für das Zisterzienserleben
geeignet ist. Anfangs verbringt der Kandidat einige Wochen
in der Klausur der Mönche und kann so Einblick in das dortige
Leben nehmen. Die Kandidatur kann unterschiedlich lang dauern,
meist wird in dieser Zeit eine begonnene Ausbildung außerhalb
des Klosterlebens beendet. Wenn man die Kandidatur beendet
hat, folgt das Postulat, das in der Regel mehrere Monate
dauert. Der Postulant nimmt am konkreten Ordensleben teil
und übernimmt kleinere Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft.
Der Unterschied zum Leben als Mönch liegt in der Tatsache,
dass der Postulant zwar schon mehr oder weniger zur Ordensgemeinschaft
dazugehört, jedoch noch nicht fest an sie gebunden ist und
das Kloster jederzeit wieder verlassen kann. An das Postulat
schließt das Noviziat an, das mindestens ein Jahr dauert.
Das Noviziat beginnt mit der Aufnahme des Bruders in die
Gemeinschaft des Ordens. Diese erfolgt durch die Einkleidung.
Hierbei wird dem Postulanten die Ordenstracht (Habit) überreicht.
Mit der Einkleidung wird der Novize fest in das Ordensleben
integriert, er übernimmt eigenständig Aufgaben, ist aber
noch Lernender, erhält also Unterricht etwa über die Spiritualität
des Ordens und dessen Organisation und Geschichte. Wenn
die Noviziatszeit um ist, legen die Novizen die zeitliche
Profess auf drei Jahre ab. Sie verpflichten sich dem Orden.
In dieser Zeit hat man noch die Möglichkeit, den Orden zu
verlassen. Dieses geschieht erst, wenn er drei Jahre nach
der zeitlichen Profess die feierliche Profess ablegt. Hierbei
gelobt der Novize "klösterlichen Lebenswandel, Beständigkeit
und Gehorsam", wie es in der Benediktsregel vorgeschrieben
ist. Darin impliziert sind materielle Anspruchslosigkeit
und die ehelose Keuschheit. Mit der feierlichen Profess
bindet sich der Bruder für immer an sein konkretes Kloster
(stabilitas loci). Auf Wunsch kann ein Mönch eine weitere
Ausbildung machen, etwa den Meistertitel in einem Handwerk
erwerben. Für Abiturienten besteht die Möglichkeit, Theologie
zu studieren und sich auf die Weiheämter vorzubereiten.
Im deutschsprachigen Raum geschieht dies üblicherweise auf
der Ordenshochschule im Stift Heiligenkreuz bei Wien.
Arbeit
Die Zisterzienser leben und arbeiten nicht nur hinter
ihren Klostermauern, sondern auch im sozialen und kulturellen
Bereich. Viele Klöster betreiben neben ihren eigenen Werkstätten
Schulen oder haben die Seelsorge in einzelnen Gemeinden
übernommen.
Tagesablauf
Der Tagesablauf ist geprägt von
sieben Gebetszeiten Vigil, Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper
und Komplet (Regula Benedicti, 16). Die erste Gebetszeit
findet nachts, meist zwischen 04:00 Uhr und 06:00 Uhr statt,
die letzte nach Sonnenuntergang. Zentral ist die tägliche
Feier der heiligen Messe. Durch die Gottesdienste, denen
nach der Regel des heiligen Benedikt nichts vorgezogen werden
soll, wird der Tag der Mönche gegliedert in Lesung und Arbeit.
Nach der letzten Gebetszeit beginnt für die Mönche die Nachtruhe,
die bis zur ersten Gebetszeit des nächsten Tages dauert.
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