Alfons Mucha


 

 

 

Alfons Mucha, Prinzessin HyazintheNach Präsentationen im Wiener Belvedere und dem Musée Fabre in Montpellier zeigt nun die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung die einzigartige Retrospektive des tschechischen Künstlers Alfons Mucha (1860-1939). Der vor allem durch seine Plakatentwürfe, Buchillustrationen und Schmuckkreationen weltberühmte Repräsentant des Jugendstils wird hier in einem neuen Licht gezeigt.

Wie kaum ein anderer bewegte sich Mucha gleichzeitig in verschiedenen Kunstgattungen. So schuf er auch bedeutende Pastell- und Kreidezeichnungen, die sich fernab jeglicher dekorativer Formensprache bewegen und widmete sich ambitionierten Malereiprogrammen. Die wahre künstlerische Größe Muchas entfaltet sich neben seinen kurvilinearen Umrissen und der für ihn typisch verhaltenen Farbigkeit vor allem auch darin, wie er oftmals düstere Kapitel der Menschheitsgeschichte oder religiöse Themen visualisierte. Die über 200 Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Juwelen, Stoffe, Skulpturen, Bücher und Objekte dieser Ausstellung fächern die beeindruckende Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksformen auf und verdeutlichen damit die Genialität Muchas.

Nachdem Mucha 1878 das Eintrittsexamen an der Prager Kunstakademie nicht bestand, übersiedelte der junge Künstler 1879 nach Wien, wo er bis 1881 als Kulissenmaler tätig war.

Neben dem Zauber des Theaters beeinflusste ihn die mondäne Kunst des Wiener Malerfürsten Hans Makart (1840-1884), was in dieser Ausstellung mit einem erst jüngst wiederentdeckten großformatigen Wandgemälde Makarts anschaulich wird. Nach einem zweijährigen Studienaufenthalt in München (1885-1887) zog Mucha 1889 nach Paris, wo er mit seinen Plakatentwürfen, insbesondere für die Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1923), weit über die Grenzen Frankreichs hinaus Ruhm und Ansehen erwarb.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören die Rekonstruktion des Pavillons Bosnien- Herzegowina (1900) für die Weltausstellung in Paris, sowie die Präsentation von zwei monumentalen Gemälden aus dem vielteiligen »Slawischen Epos« (1910-1926).

Diese Werkzyklen in Muchas künstlerischem Schaffen wurden bisher wenig wahrgenommen.

Dabei zählen seine für die unterschiedlichen Pavillons und Länder geschaffenen Beiträge zur Pariser Weltausstellung 1900 sicherlich zu den bedeutendsten Arbeiten Muchas. Nachdem er seine eigenen Pläne für einen »Pavillon de l’Homme« nicht realisieren konnte, erhielt der Künstler die Gelegenheit, mit den monumentalen Wandmalereien für den Pavillon Bosnien- Herzegowina letztlich doch einen wichtigen Beitrag für das Pariser Großereignis der Jahrhundertwende zu liefern. Auf mehr als 250 Quadratmetern Leinwand schildert er die Geschichte der beiden einstmals osmanischen Provinzen, die 1878 in Folge des Berliner Kongresses von Österreich-Ungarn besetzt worden waren. Der Großteil dieser Wandbilder ist erhalten und wird nun erstmals innerhalb der maßstäblich rekonstruierten Zentralhalle des Pavillons wieder zu sehen sein.

Obwohl Paris um die Jahrhundertwende immer noch als künstlerisches Zentrum galt, entschloss sich Mucha nach mehreren Besuchen in den Vereinigten Staaten, Frankreich 1910 für immer zu verlassen und wieder in sein Heimatland zurückzukehren.

Ausschlaggebend für diesen Schritt war sicherlich nicht nur sein schwindender Erfolg in Paris, sondern auch ein Auftrag der Stadt Prag zur Gestaltung des Primatorensaals im Prager Repräsentationshaus »Obecní Dum« (1912). Auch Gemälde zu diesem Dekorationsprogramm sind in der Ausstellung zu sehen.

Mucha hegte schon lange den Wunsch monumentale Werke zu schaffen, die sich mit der Geschichte seines Heimatlandes und den großen Themen der Menschheit auseinandersetzen. Die Unterstützung des amerikanischen Mäzens Charles R. Crane (1858-1939) ermöglichte ihm dann die Realisierung eines Zyklus mit 20 großformatigen Darstellungen zur Geschichte der Slawen: das so genannte »Slawische Epos« (1910-1926).

Als Geschenk für die Stadt Prag konzipiert, befindet es sich derzeit in einem Schloss in Moravský Krumlov, unweit von Wien. In der Ausstellung sind zwei der Gemälde, sowie eine Anzahl von Skizzen, Studien und Übertragungszeichnungen der Serie zu sehen. Diese monumentalen Hauptwerke verdeutlichen nicht nur eine neue Entwicklung im künstlerischen Werdegang Muchas, sondern bilden letztlich die Synthese all seines bisherigen Schaffens und verschmelzen darin gleichzeitig seine Vorstellungen von der Rolle der slawischen Völker innerhalb Europas.

Dr. Jean-Louis Gaillemin hat als Kurator dieses Projektes gemeinsam mit Dr. Roger Diederen, Kurator der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, die Ausstellung für München zusammengestellt.


     
 

im Detail:

Website:

Besucherinformationen

siehe auch:

 

zurück:

Startseite | | Service | Aktuelles | zur ZUM | © Badische Heimat/Landeskunde online 2009